Ich bin Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Und ich trete aus. Anstatt dies schon vor Jahren schriftlich zu tun wie es in meinem Bekanntenkreis viele gemacht haben, indem sie erklärten, der Papst sei ihnen unsympathisch und tschüss! , gebe ich meinen Austritt in Form eines Trickfilms. Die Versuchung war natürlich gross, das Thema in einer publikumswirksamen Verulkung abzuhandeln die römisch-katholische Kirche und insbesondere der Vatikan eignen sich dafür hervorragend. Ein Zeichentrickfilm-Papst hätte aber wohl zu kontroversen Reaktionen geführt, neben billigen Gags und plumper Lächerlichkeit wäre indes kaum Platz für eine sinnvolle Aussage geblieben ... zudem bin ich ja nicht "Mitglied" des Vatikans, sondern der römisch-katholischen Kirche. Also. Die Kirchen sind da wo ich lebe mit vielen sinnvollen Initiativen präsent auch die römisch-katholische Kirche leistet in Luzern Jugend- und Gassenarbeit, setzt sich für Betagte und Kranke ein, wehrt sich gegen soziale Ausgrenzung. Diese wichtige Basisarbeit hat meine volle Zustimmung (solange sie sozial, von mir aus auch christlich begründet, aber nicht missionarisch motiviert ist). Nicht so die Zentralmacht in Rom mit der verbindet mich höchstens eine gewisse Faszination an der architektonischen Substanz des Vatikan. Aber ansonsten: Hierarchie, Dogmatismus, Patriarchie ... traurige Anachronismen am Anfang des 3. Jahrtausends nach der Stunde Null der christlichen Zeitrechnung. Mein Austritt aus dieser Glaubensgemeinschaft, an die ich nie richtig glaubte, geschieht aus der Überzeugung heraus, dass noch so gut sein kann, was die römisch-katholische Kirche an ihrer Basis bewirkt, ich aber nicht mehr länger durch meine Zugehörigkeit helfen will, Strukturen zu legitimieren, die dazu dienen, Unmündigkeit und Diskriminierung aufrecht zu erhalten. Ich habe versucht, dieser differenzierten Haltung gegenüber der römisch-katholischen Kirche in meinem Filmprojekt Rechnung zu tragen. Folgerichtig hat sich daraus keine Abrechnung, sondern ein "Glaubensbekenntnis" ergeben. Deshalb der Titel des Films: "Credo". Jonas Raeber, im Juli 1999
>> Häufige an mich gestellte Fragen und meine Antworten dazu. |
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Argumente, die trotzdem für einen Austritt sprechen |
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Immer mehr katholische Pfarrämter stehen Trauungen
von Paaren positiv gegenüber, bei denen ein Partner ohne Religionszugehörigkeit ist. Bald soll es zudem auch möglich sein, eine Hochzeit ganz ohne Religionszugehörigkeit in der Kirche zu feiern - einige moderne Pfarrämter prüfen entsprechende Modelle, um zusätzliche finanzielle Quellen zu erschliessen... gratis gibt's nix. |
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| Stimmt! Und zum Glück werden ethische Werte
zunehmend auch in Schulfächern vermittelt, die nicht von der Kirche dominiert werden. Kinder sind übrigens im Austritt eines oder beider Elternteile nicht automatisch eingeschlossen. Sie bleiben katholisch, wenn sie im Austrittsschreiben nicht explizit erwähnt werden. |
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Eltern haben das Recht, ihre Kinder unabhängig von der eigenen Einstellung einer Religion angehören zu lassen, oder die Zugehörigkeit zu künden. Aber: Bitte Kinder mit entscheiden lassen, bevor sie volljährig sind! | ||
| Herzliche Gratulation zu Ihrem Enthusiasmus... Sie haben allerdings nur dieses eine Leben lang Zeit, eine tausendjährige Struktur zu modernisieren. Scheitern Sie, befinden Sie sich aber in guter Gesellschaft: Schon Luther, Calvin und Küng haben es nicht geschafft - viel Glück! | |||
| Das Bestattungswesen ist in vielen Gemeinden amtlich geregelt und nicht an eine Kirche gebunden. Mit einem Platz auf dem Kirchfriedhof und einer Predigt können Sie allerdings nicht rechnen... aber auch ein Massengrab droht Ihnen nicht. | |||
| Spielen Sie ausch
schon lange mit dem Gedanken an einen Kirchenaustritt? Ich schicke Ihnen gerne eine Kopie meines Austrittstrickfilms "Credo". Die können Sie für sich behalten oder zusammen mit der vorgefertigten schriftlichen Austrittserklärung an Ihr Pfarramt senden.
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| Für einen frei
wählbaren Unkostenbeitrag ab Fr. 100.-- erhalten Sie:
Einen vorgefertigten Austrittsbrief den Sie bloss noch zu unterzeichnen und an Ihr Pfarramt zu schicken brauchen, (eine Urkunde ist Ihr Beweisstück für den Austritt) ... |
... sowie eine Videokassette des Films (OK, heute gibt's ne DVD, deutsch mit UT in franz. und engl.) |
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| Kontaktieren
Sie mich unter jonas[at]swamp[dot]ch oder benutzen Sie Postkonto 60-173
12-9, SWAMP, Luzern. Jonas Raeber, im Oktober 2000 |
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| Häufig gestellte Fragen | |||
| Frage:
Bei wem meldet man seinen Austritt, existiert da gar ein Formular?
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Antwort: Formulare gibt es meines Wissens nicht. Einfach Rücktrittswunsch schriftlich an die zuständige Kirchgemeine richten (nicht ans Pfarramt), mit Name und Adresse und Unterschrift. >>Musterbrief Word.rtf |
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| Frage:
Was muss ich eigentlich tun, um zu konvertieren
(ich möchte gerne evangelisch werden)?
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Antwort: Ich nehme an, als ersten Schritt müssten Sie den Austritt bei Ihrer katholischen Pfarrgemeinde bekanntgeben (wie, siehe oben). Dann können Sie bestimmt bei der Evangelischen Kirche um ein Gespräch bitten. |
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| Frage:
Ich erhielt nach meinem Austritt ein bizarres
Schreiben mit einer Liste der mir nach meinem Austritt verbleibenden
Rechte und Pflichten... bei der Hälfte geht's ums Geld. Was soll
das?
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Antwort: Die Kirchgemeinden sind nicht zu bemitleiden. Sie erhalten hunderte und tausende von Austrittsschreiben. Dabei reduzieren sie die Gründe gerne aufs Finanzielle (so im Sinne von "ätsch, dein Geld ging sowieso nicht nach Rom und dein Austritt juckt den Papst überhaupt nicht"). Dabei geht's den meisten, die ihren Austritt geben, um das symbolische Gewicht von Mitgliedschaft und Austritt. So gesehen zählt jede einzelne Person. |
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| Frage:
Tausende treten in unseren Breitengraden aus der
Kirche aus. Wieso ist der Aufschrei auf Seiten der Kirchen nicht
grösser?
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Antwort: Wer sich wundert, wieso die zahlreichen Kirchenaustritte der (Röm.-katholischen) Kirche nichts ausmachen: seit der Gründung meiner GmbH weiss ich, dass auch juristische Personen Kirchensteuern bezahlen (in den meisten Schweizer Kantonen ist das so, und zwar wird an alle Landeskirchen nach ihrer prozentualen Vertretung im Standortkanton bezahlt). Geld für die Kirchen gibt's also von allen GmbHs, AGs, Genossenschaften... auch von Rüstungsfirmen und Waffenschiebern! UND: Firmen können diese Zahlungspflicht nicht künden (das ist zumindest das, was mir mitgeteilt wurde). Das ist vielleicht ein tolles Finanzierungsmodell, nicht? Ein richtiges Geben und Nehmen... |
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| Und zu guter
Letzt schreibt mir Pater Gregor Müller
vom Pfarramt Schübelbach
am 14.5.2008:
sie sind ein arroganter Saukerl, der die heilige
Kirche schmäht - die Pforten der Hölle werden diese niemals
überwältigen - trotz ihrer
Invektiven
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Antwort: Ich verstehe die wenig freundliche Einleitung, allein, der Sinn des Rests will sich mir nicht recht erschliessen. Macht ja nichts, ich finde es schön, dass jemand in öffentlicher Position sich so offenherzig zu seinem Innersten bekennt. Ihr Beitrag rundet diese Seite und die hunderten von dankbaren Rückmeldungen sehr gut ab. Besten Dank! |
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| Nachwort | |||
Schäfchen bleibt Schäfchen, schwarz oder weiss... |
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| Hat Sie diese Webpage aufgeregt, abgestossen, in ihren religiösen Gefühlen verletzt? Wenn ja, tut mir das leid. Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie Nachsicht walten lassen und ich lege wert auf die Feststellung, dass ich die religiöse Einstellung Dritter jederzeit respektiere - bitte respektieren Sie auch meine. Besten Dank. Für alle Zuschriften: schafgut@vatikanmichmal.info
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| Alle Rechte vorbehalten.
Illustrationen: J. Raeber 2000
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| Nachtrag am
16.11.2007: Soeben kommt diese Meldung über das Internet: Römisch-katholisch ohne Kirchgemeinde 16.11.2007 21:59 |
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